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Fußballfieber 2006
Die
allerseits beliebte Lichtgestalt Franz Beckenbauer hat
einmal gesagt: „Fußball-WM, das ist wie Ostern und
Weihnachten zusammen!“ Recht hat er. Denn so, wie wir als
Kinder mit erhöhter Temperatur und hochrotem Kopf auf den
Weihnachtsmann gewartet haben, genauso ungeduldig warten wir
in Deutschland auf das Spiel der Spiele. Dieser spannendste
aller Wettkämpfe – seit Ben Hurs Wagenrennen ohne
Seitenaufprallschutz – versetzt Milliarden von Zuschauern
weltweit in ein unheilbares Fußballfieber.
Wie wird
das wohl sein, wenn brasilianische Sambatänzerinnen am
Kuhdamm die erste Currywurst ihres Lebens essen, wenn
Schottenröcke erstmals seit William the Conqueror ihre
Verwandten Bajuwaren auf dem Münchner Marienplatz besuchen
dürfen, und wenn Skandinaviens Vikinger den Hamburger Hafen
mit ihren Party-Schiffen stürmen?
Deutschland ist heiß! Heiß auf die größte Party aller Zeiten
im eigenen Wohnzimmer. Heiß auf die Friedens-Botschaft, die
man im christlichen Abendland 2006 nach Christus den
Wettkämpfern zurufen möchte: „Der Ball ist rund, das Spiel
dauert 90 Minuten und Gott liebt alle Fußballer!“ So, oder
so ähnlich heißt es ja in der Bibel (1.Timotheus 2,4).
„Fußball und Gott“, geht das überhaupt zusammen?
Wer die
favorisierten Brasilianer kennt, der weiß, dass es sogar
kaum zu trennen ist! Noch auf dem Spielfeld knieten sich
2002 die frischgebackenen Weltmeister hin, um Hand in Hand
das Vaterunser zu beten. Lucio, Edmilson und Kaka liefen in
Südkorea mit Jesus-Loves-You-T-Shirt und WM-Pokal sogar eine
Ehrenrunde vor Milliarden von Fernseh-Zuschauern. Ja, in
Münchens Fußball-Arena, dem Ort des heiß ersehnten
Eröffnungs-Spiels, wurde sogar extra eine Kapelle eingebaut.
Nicht etwa, um dort kurz vor Anpfiff noch bei den
Fußballgöttern für einen Sieg der DFB-Elf zu beten, nein,
die Veranstalter der größten WM aller Zeiten haben erkannt,
dass der Fußball vom Glauben nicht allzu weit entfernt
liegt. In ihrer Hoffnung auf friedliche Spiele bitten sie um
den Schutz des Höchsten, den ausnahmsweise selbst die
Lichtgestalt nicht garantieren kann.
Und wenn
wir ehrlich sind, beten wir doch alle heimlich für
Klinsis-Rassel-Bande – mit fiebrigen Kopf und freudiger
Erwartung!
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