Ein
herrlicher Sommer geht ...
Ein
herrlicher Sommer geht langsam zu Ende
und der Blick geht natürlich noch einmal
zurück. Wir konnten phantastische
Konzerte erleben, so mit der Kantorei
aus Wismar, mit den Kindern der
Musikschule Wismar, dem
Friedrichshägener Bläserkreis, dem
Colegium Pedalo Cantatum und mit Ingo
Barz. Wir haben uns von der Sonne
verwöhnen lassen und die Kinder konnten
seit langen einmal einen Sommer
genießen, wie ihn die Älteren aus ihren
Kindheitstagen noch kennen. Es gab aber
auch schwere Zeiten in diesem Sommer,
Verluste von Menschen, die schmerzen ...
Und bei allem taucht die bekannte Frage
auf, die nahezu typisch ist für unsere
auf Haben und Festhalten ausgerichtete
Gesellschaft: "Was bleibt uns nun?"
Uns bleiben letztlich die dankbaren
Erinnerungen, dass wir dieses so erleben
durften, aber auch die Erinnerung daran,
dass wir jeden Moment unseres Lebens
bewusst und intensiv wahrnehmen und
gestalten sollten, denn nichts wird so,
wie es einmal war, es gibt keine
Rückkehr, kein Stehenbleiben, sondern
nur ein Weg, der sich durch unser Gehen
gestaltet und der auf Gott zugeht, auf
das Ziel seiner Schöpfung.
Ich wünsche Ihnen viele segensreiche
Stunden für die kommende Herbstzeit!
Ihr Pastor Heske
Weh euch,
ihr Heuchler!
Wenn
es etwas gibt, das den biblische Jesus
auf die Palme brachte, dann war es
Heuchlerei. Wenn ihr betet, macht es
nicht wie die Heuchler (Mt 6,5). Fastet
nicht mit finsterem Gesicht wie die
Heuchler (Mt 6,16). Zieh zuerst den
Balken aus deinem Auge, du Heuchler (Lk
6,42). Und ganz drastisch: "Der
Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm
seinen Platz unter den Heuchlern
zuweisen" (Mt 24,51).
Heuchler geben sich anders, als sie
sind, reden anders, als sie denken,
verstellen sich, täuschen Gefühle vor,
die sie nicht empfinden. So gesehen sind
wir zuweilen alle Heuchler. Aber es gibt
die noch schlimmere Sorte: Heuchlerei
von Berufs wegen. "Heuchlerei
gibt's Geld genug, die Wahrheit geht
betteln", sagte schon Martin
Luther, und der Barock-Prediger Abraham
a Santa Clara reimte im gleichen Sinn:
"Wer heucheln kann und schmeicheln
kann, der ist heut ein gemachter
Mann".
Diese Art
von Heuchlerei finden wir vor allem bei
zwei Berufsgruppen geradezu
professionell ausgeprägt, den
Klatschjournalisten in der
Boulevardpresse und in den
elektronischen Medien sowie bei sich
anbiedernden Politikern. Kein
Straßenblatt, das nicht ein Viertel der
Titelseiten mit aufreizenden Nackedeis
füllt und auf der dritten Seite
genüsslich einen tumben Jungen
vorführt, der -von solchen Bildern
angeheizt- im Park als Exhibitionist
geschnappt wird. Sie machen das Wort
"Luder" zum Ehrentitel:
Boxen-Luder für die Liebchen auf der
Autorennbahn, Party-Luder für die
reihum weiter gereichten Damen unter
Playboys, Disco-Luder für die kleinen
Anmacherinnen in den
Vergnügungsschuppen. Nach Belieben
zerren sie eines dieser bedauernswerten
Wesen ans Licht, decken den Ehebruch mit
einem Prominenten auf und entrüsten
sich entsetzlich. Am gleichen Tag haben
sie im gleichen Blatt die Empfehlung
ausgesprochen, sich für die
bevorstehenden Faschingstage, ob
verheiratet oder nicht, mit Kondomen
einzudecken. Sex als Genussmittel,
Ehebruch als Gesellschaftsspiel.
Idole aus
Sport- und Showbranche werden über
Monate aufgebaut, auf den Thron gesetzt,
mit göttlichen Attributen bedacht,
angebetet und dann dem Publikum , das
nach neuen Gesichtern giert, zum Fraß
vorgeworfen. Prominente werden nach
ihrem Lieblingszitat aus der Bibel
befragt, um in der gleichen Ausgabe des
Blattes den Inhalt des Zitats vielfach
in Text und Bildern zu verhöhnen.
"Wenn
Heuchlerei dick machen würde, bräuchte
jedes Parlament Flügeltüren",
meint der Journalist Claus Jakobi.
Politiker, die sich im Amt bereichern,
sitzen zu Gericht über Politiker, die
sich im Amt bereichert haben. Politiker,
die sich von Frau und Kindern trennten
und bei offiziellen Anlässen mit
wechselnden
"Lebensgefährtinnen"
auftreten, verteidigen für eine
christliche Partei den grundsätzlichen
Schutz von Ehe und Familie.
Einem
muslimischen Kalifen, Ali ben Ali Thaleb,
bleibt es überlassen festzustellen:
"Heuchlerei ist
Selbsterniedrigung". Das merken
zuletzt jene, die es sich angewöhnt
haben, mit der Heuchlerei ihrem schon
dreckigen Charakter immer wieder ein
scheinbar sauberes Hemd überzuziehen.
Mit
diesen Beobachtungen zu unseren
Zeitproblemen grüße ich Sie und
wünsche Ihnen eine segenreiche
Sommerzeit.
Ihr
Pastor Heske
Die
Fenster auf !
Wider
die stickige Luft der Resignation Schon
Heinrich Heine wurde um den Schlaf
gebracht, dachte er "an Deutschland
in der Nacht". Heutzutage würde
Heinrich Heine gar nicht mehr zu Bett
gehen, glaubt man einigen öffentlichen
Meinungsmachern. Eine stickige Luft der
Mutlosigkeit scheint den Deutschen den
Atem zu nehmen. Alles bewegt sich zäh
und träge unter einer Käseglocke das
Missbehagens.
Nun wäre es zu billig, dagegen die
Parole zu setzten "Mut machen statt
mies machen", wie es einige
Politiker tun. Sie selbst haben nicht
wenig dazu beigetragen, die Stimmung in
den Keller zu drücken. Die Zahl der
Arbeitslosen steigt von Monat zu Monat.
Erstmals sind bei den Jugendlichen in
großer Zahl auch diejenigen betroffen,
die sich um eine qualifizierte
Ausbildung bemühen. Zuwendungen werden
gestrichen, die Steuer erhöht. Rentner
sind verunsichert, weil sie nicht
wissen, womit sie morgen rechnen
können. Die Gesundheitskosten
explodieren und sind bald nicht mehr zu
bezahlen. Die Staatsverschuldung nimmt
bedrohliche Ausmaße an. Deutschland
muß vor das Tribunal der übrigen
Staaten der Europäischen Union. Die
einstmals so mächtige Wirtschaftsmacht
ist zum "kranken Mann" im
Zentrum Europas geworden.
Noch nie hat es in kurzen Zeiträumen so
viele Insolvenzen gegeben.
Mittelständische Branchen beginnen die
Auswirkungen der wachsenden
Globalisierung zu spüren.
Globalisierungsopfer gibt es nicht nur
südlich des Äquators. Hinzu kommt die
Angst vor dem internationalen
Terrorismus, vor neuen Kriegen am Golf
und an anderen Orten unserer Erde.
Hielte wenigstens das Staatsschiff einen
unbeirrbaren Kurs auf ein klar
bestimmtes Ziel. Nein, es schlingert und
überträgt die Unsicherheit der
Steuerleute auf alle Passagiere.
Es wäre unehrlich, den Kirchen in der
Bundesrepublik ein besseres Bild
bescheinigen. Aber was ist zu tun?
Nichts anderes, als das uralte Rezept zu
befolgen: Fange bei dir an. Reiß die
Fenster auf, atme tief durch. Warte
nicht auf einen Bundeskanzler, auf einen
Superminister, auf einen klugen und
gleichzeitig heiligmäßigen Bischof.
Räume in deiner unmittelbaren Umgebung
auf. Mache Mut durch Tatkraft. Handle
gegen den Trend. Kaufe jetzt, was du
schon immer kaufen wolltest. Erteile dem
bedrohten Handwerk jetzt den Auftrag,
den du ihm irgendwann einmal geben
wolltest. Besuche jetzt den Kranken, der
auf deinen Zuspruch wartet. Vor allem:
Nimm täglich einem Menschen in deiner
Umgebung eine Angst, die ihn bedrückt.
An ungezählten Stellen der Bibel lässt
Gott die verbrauchte Luft aus unserem
verängstigtem Leben: "Fürchte
dich nicht!" Gott redet nicht in
Floskeln, auf sein Wort kann man sich
verlassen.
Mit besten Frühlingsgrüßen
Ihr Pastor Heske
Völlig
unverbindlich?
Wenn
Sie jetzt noch nicht alle Geschenke für
Ihre Lieben zusammen haben, dann
könnten Sie vielleicht in Versuchung
kommen, die "größte Geschichte
der Welt" zu verschenken. Sie wurde
mir neulich per Zeitschriftenbeilage
angeboten. Eine Reihe von
"meisterhaften Madaillen aus
feinstem Silber" zeigt Szenen aus
dem Leben Jesu. Passend zum
bevorstehenden Fest ist auf der ersten
Münze die "zentrale und
eindrucksvolle Station der Geburt
Jesu" abgebildet: Maria und Josef
mit dem Kind in der Mitte und Hirten mit
Ochs und Esel am Rand. Dazu gibt es eine
Besitzurkunde und eine Themenkarte zum
Startpreis von 19,50 EUR. Wen das noch
nicht überzeugt, ist vielleicht dabei,
wenn er liest, dass das nur der Anfang
ist, sich "das Leben Christi in
Serie" zu sichern, und das ganz
"ohne Verpflichtung".
Natürlich haben die Herausgeber den
Zeitgeist genau getroffen. Wer es sich
leisten kann, ist bei Geschenken
großzügig. Geld spielt nicht so sehr
die Rolle; günstig ja, aber nicht
billig soll es sein. Und weil der Wert
eines Geschenkes von allzu vielen mit
dem Kaufpreis verwechselt wird, werden
denn wohl vor Weihnachten wieder mehr
teure Kostbarkeiten gekauft als sonst
das ganze Jahr über. Dazu kommt die
Schwierigkeit, dass man vielfach nicht
weiß, was man denn überhaupt noch
schenken soll, weil wir ja schon alles
haben. Da kommt einem die Idee mit den
Münzen schon ganz gelegen, die
schließlich auch noch einen bleibenden
Wert darstellen.
Die Motive sind darüber hinaus ein
zusätzlicher Kaufanreiz. Schließlich
sind wir gerade in der Weihnachtszeit
offen für religiöse Gefühle.
Die einzige, aber entscheidende
Schwierigkeit an der Sache ist, dass
sich das Leben Jesu nicht verschenken
lässt. Es ist bereits verschenkt und
zwar von Gott persönlich. Und kein
anderer als wir selbst haben es bereits
bekommen. Das nämlich ist die Botschaft
von Weihnachten: Gott schenkt uns seinen
Sohn, auf das unser Leben reich werde.
Allerdings ist damit nicht feinstes
Silber im Durchmesser von 40 Millimeter
gemeint, sondern die Liebe Gottes. Und
so ist denn das Leben Christi auch nicht
zum Startpreis zu kaufen, und
unverbindlich ist es schon überhaupt
nicht. Denn wer dieses Geschenk annimmt,
geht als Christenmensch sehr wohl
Verpflichtungen ein. (Die Besitzurkunde
wird unter Christen übrigens Taufe
genannt und statt einer Themenkarte
haben sie eine Bibel.)
So wertvoll das Leben Christi ist, als
Münzsammlung scheint es mir wenig
geeignet und als Weihnachtsgeschenk
müssen Sie es wahrlich nicht erst
kaufen.
Eine gesegnete Advents- und
Weihnachtszeit und Gottes Segen für das
kommende Jahr wünscht Ihnen
Ihr Pastor Heske!
Gedanken
Da haben wir ja wieder unser Fett weg bekommen! Eine Flutkatastrophe, die schon zu Beginn des Jahrhunderts als
Jahrhundertflut in den Medien hoch dotiert wird, wahrscheinlich in dem Glauben, das nächste Mal bekommen wir es bestimmt besser in den Griff. Wie so oft, wenn uns Menschen einmal das Heft aus der Hand gleitet und wir bitter feststellen müssen: Diese Welt hat ihre eigenen Regeln und
Überraschungen und wir sind nur ein Teil von ihr, ein Glied in diesem großen Schöpfungsapparat und nicht die, die an den Hebeln sitzen. Bitter ist sie, diese Erfahrung, denn wir machen sie immer wieder auf Kosten unzähliger Leidtragender,
unzähliger Opfer, die nicht anders leben als Sie und ich.
Unser Glaube erzählt in seinem Buch, der Bibel, ganz viele solcher Geschichten, wo es Menschen schlecht ging, wo Katastrophen über sie hereinbrachen, wo keiner mehr wußte wie es weitergehen soll. Es sind stellenweise grausame Geschichten mit viel Menschenblut. Mal werden sie als Strafe Gottes beschrieben, mal als Tat von Menschen, die den rechten Weg verlassen haben und mal als Tat eines Widersacher Gottes, des Teufels oder Versuchers. Mag sein, dass es ganz menschlich ist, wenn man bei solchen Katastrophen nach Schuldigen sucht und nach dem Verursacher, so wie es ja jetzt
auch wieder von bestimmten Politikern und Medien gemacht wird. Doch das ändert nichts an dem Leid und der erhobene Zeigefinger verbunden mit dem Satz: Seht Ihr, das habt ihr davon! - ist
menschenverachtend gegenüber den vielen unschuldigen Opfern. Nein, wenn ich so etwas wie eine Erkenntnis aus diesem Unglück ziehen möchte, dann nur die: Gott hat diese Welt anders gedacht, als wir sie uns denken und gestalten, und wenn wir dem Weltbild Gottes näher kommen wollen, dann ist die Solidarität, der Beistand unter uns Menschen der erste
Schritt auf Gottes Welt. Das klingt sehr einfach, ist aber besonders schwer. Denken Sie nur einmal an die Diskussionen über den minimalen Solidaritätszuschlag in den alten Bundesländern. So wie wir in unseren kleinsten menschlichen Beziehungen einander tragen sollten, so sollten wir es auch im Großen tun! Gleich in welchem Land wir wohnen oder auf welchem Kontinent, gleich welcher Rasse wir angehören oder welcher Bevölkerungsschicht, gleich welcher Hautfarbe und welcher Religion.
Gottes Welt ist eine solidarische Welt und keine hierarchische und gut ist, wenn wir danach leben! Dann fühlt sich keiner allein gelassen und das heißt dann Hoffnung und Wärme und Gottes Gegenwart.
Ich wünsche Ihnen den Segen unseres Gottes
Dein
Problem!
So höre ich
es oft in Gesprächen von Erwachsenen
und Jugendlichen. Da ist ja was dran.
Für mein Leben bin ich selbst
verantwortlich und für die
Konsequenzen, die mein Handeln für mich
selbst und andere hat. In einer Zeit, in
der es schick ist, die Schuld für die
eigene Lage bei anderen, den Eltern, den
Lehrern und der Gesellschaft zu suchen,
ist eine solche Einsicht alles andere
als selbstverständlich.
Der Todesschütze von Erfurt hat die
Schuld für seine missliche Lage bei
seinen Lehrern gesucht und sie
hingerichtet. Er hat sich anschließend
feige durch Selbstmord seiner
Verantwortung entzogen. Dafür gibt es
keine Entschuldigung. Er hätte bestimmt
mehr als einen Grund gehabt,
die Schuld für seine Situation auch bei
sich selbst zu suchen, wenn man den
Nachuntersuchungen Glauben schenken
kann.
Nur dem, der bereit ist, sich seinen
eigenen Problemen zu stellen, kann
geholfen werden.
Und dann muß ihm aber auch geholfen
werden!
Dein Problem! Das kann auch ein
grausames Wort der Gleichgültigkeit
sein: Hilf dir selbst, sonst hilft dir
keiner! Laß mich mit deinen Problemen
in Ruhe! Ich befürchte, so ist dieser
Satz unter uns meistens gemeint. Wer
keinen Menschen mehr findet und nicht
zumindest ein Ohr für seine Sorgen, der
verliert irgendwann seine Menschlichkeit
- und wird zur Gefahr für sich selbst
und die ganze Gesellschaft.
Christen verstehen ihr Leben als ein
Geschenk Gottes. Mit einem solchen
Geschenk geht man verantwortlich um. Man
schmeißt es nicht weg. Auch das Leben
meiner Mitmenschen ist ein solches
Geschenk. Darum kann es mir nicht
gleichgültig sein. Das meint Jesus,
wenn er sagt: Liebe deinen nächsten,
wie dich selbst. Nicht mehr, aber auch
nicht weniger.
Wenn Eltern heute keine Zeit mehr haben
und nicht mehr wissen (wollen), was mit
ihren Kindern
wirklich passiert und was sie
beschäftigt; wenn auf Jugendseiten vor
allem der eigene Spaß und Lifestyle
propagiert wird und dem, der nicht
dazugehört, immer nur gesagt wird: Dein
Problem!
Dann haben wir alle ein großes
Problem........
Mit diesem Gedanken aus aktuellem Anlaß
grüßt sie Ihr Pastor D. Heske
|